Im Jahre 2005 ist er gestartet, der vielgepriesene Pilotjahrgang der Neuen Max-Brauer-Schule in Hamburg Bahrenfeld. Als eines der Treibhäuser der Zukunft wurde die Schule in Reinhard Kahls gleichnamigem Film bezeichnet, noch bevor man mit dieser umfassenden, und ja, durchaus radikalen Umgestaltung richtig abgehoben hatte. Im Zentrum stand das Individualisierte Lernen, welches durch diverse Maßnahmen grundsätzlich ermöglicht und ergänzend flankiert werden sollte. Keine Noten, keine Fächer, kein Gleichschritt, kein Gong, irgendwie auch kein Unterricht, stattdessen Blaues Buch, Kompetenzraster und Lernbüro, Werkstatt, PU und SELG, Vielfalt und Fehlerfreundlichkeit. Ganztagsschule ist man obendrein noch geworden in besagtem Jahr 2005 und bei den Langzeitprojekten der 8. Klasse gab es auch keine Erfahrungswerte, auf die man zurückgreifen konnte. Zum Erläutern fehlt mir an dieser Stelle Raum und Lust, aber auf der Homepage der MBS findet man eine Broschüre und Beispiele, die das neue Mittelstufen-Konzept erläutern.

Gestern nun war Abschlussfeier dieses Pilotjahrgangs. Rektorin Barbara Riekmann zeigte sich ausgesprochen zufrieden, was die erreichten Abschlüsse anging. Von den 130 Schülern (in sechs Klassen) hätten nur zwei gar keinen solchen in der Tasche. Für weit mehr als die Hälfte sei es dagegen vielleicht noch gar kein Abschied, sie würden die Oberstufe besuchen.
Das klingt nach einer sauberen Bilanz und doch wurden alle Beteiligten, Schüler, Eltern und Lehrer, gelobt für ihre Risikobereitschaft. Sie wurden als Erstbesteiger und Polarforscher tituliert, was sicher daran liegt, dass in den nachfolgenden Jahrgängen manche Fehler gar nicht erst gemacht werden mussten. Man sollte auch nicht verhehlen, dass einige Eltern mittendrin die Reißleine gezogen und ihre Kinder an anderen Schulen untergebracht haben. Von denen, die blieben, waren wiederum einige ebenso besorgt, ob ihre Kinder im Sinne der klassischen Schulbildung genügend mitnehmen würden. Sie blieben es noch eine ganze Weile. Besorgt. Am Ende schienen sich die Prognosen zu bewahrheiten, dass sich die Wissens- und Kenntnissammlung in diesem Lernverfahren verschleppt, um dann umso eindrucksvoller nachzulegen. Trotzdem wirkten Lehrer und Schulleitung erleichtert. So ist das eben mit dem Pilotjahrgang, könnte man sagen. Sagt sich allerdings leichter, wenn man nicht mit dem eigenen Kind experimentiert.